Selbstliebe lernen bringt nichts, wenn du dir selbst nicht glaubst

Am Nebentisch im Café erzählt eine Frau ihrer Freundin, dass sie jeden Morgen mit Bauchschmerzen zur Arbeit fährt.

Dann sagt sie den Satz, den ich seit Jahren von Frauen höre:

„Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein.“

Sie hat gerade beschrieben, wie ihr Bauch sich jeden Morgen zusammenzieht.

Und im nächsten Satz fragt sie sich, ob sie übertreibt.

Niemand sagt: „Ich weiß nicht, ob ich Hunger habe.“

Oder: „Ich weiß nicht, ob mir kalt ist.“

Beim Körper sind wir uns sicher.

Sobald Gefühle ins Spiel kommen, weiß plötzlich jeder mehr über uns, als wir selbst.

Da fängt es an.

Überall heißt es: Selbstliebe lernen.

Aber vielleicht ist das gar nicht dein Problem.

Viellleicht geht es mehr um fehlendes Vertrauen in deine eigene Wahrnehmung.

Selbstliebe lernen durch Vertrauen

Du glaubst dem Wetterbericht. Deinem Bauchgefühl nicht.

  • Eine Google-Bewertung von einem Fremden? Nimmst du ernst.
  • Einer Bewertung von jemandem, den du nicht kennst, schenkst du Vertrauen. Deinem Bauchgefühl nicht.
  • Die Meinung einer Frau, die du nie getroffen hast, im Kommentarbereich? Geht dir tagelang nach.

Aber dein eigenes Bauchgefühl?

Da willst du plötzlich Beweise.

Den meisten Frauen fehlt keine Selbstliebe.

Sie haben irgendwann beschlossen, dass andere ihre Gefühle besser beurteilen können, als sie selbst.

Als Kind hast du dir noch geglaubt

Ein Kind sagt „Das mag ich nicht“ und meint genau das.

Es lacht, es weint, es ist wütend.

Fünf Minuten später ist alles wieder gut.

Kein Kind fragt: „Findest du, ich darf jetzt traurig sein?“

Das kommt später.

In vielen kleinen Sätzen.

  • „Stell dich nicht so an.“
  • „Sei nicht so empfindlich.“
  • „Die anderen kommen damit auch klar.“

Die Sätze vergisst du.

Dein Nervensystem nicht.

Eine Frau hat mich mal gefragt, warum es ihr so schwerfällt, sich selbst zu lieben.

Ich habe zurückgefragt: „Vertraust du deinem Gefühl?“

Sie hat lange überlegt.

Dann: „Eigentlich frage ich immer erst andere.“

Das ist der ganze Punkt.

„Ich liebe mich. Punkt.“ ist kein schöner Satz. Er ist ein Test.

Als ich meinem Buch diesen Titel gegeben habe, wusste ich, dass er viele treffen würde.

Nicht weil er arrogant klingt.

Weil er sich für viele Frauen falsch anfühlt. Fast verboten.

Und genau deshalb war der Titel perfekt.

Wenn vier Wörter Widerstand auslösen, steht da etwas, das sich anzuschauen lohnt.

Nicht der Satz ist das Problem.

Die Frage ist, was in dir ihm widerspricht.

Wahrscheinlich eine Stimme, die seit Jahren sagt: erst leisten, erst perfekt sein, erst anpassen.

Dann fühlt sich Selbstliebe wie eine Lüge an.

Nicht weil sie eine ist. Weil etwas in dir etwas anderes gelernt hat.

Du musst Selbstliebe nicht lernen. Du musst dir wieder glauben.

Seit Jahren begleite ich Frauen dabei, die Sprache ihres Körpers zu verstehen.

Eine Sache fällt mir immer wieder auf:

Die wenigsten kämpfen gegen sich selbst.

Sie kämpfen gegen etwas, das sie irgendwann über sich gelernt haben.

Das ist ein Unterschied. Ein entscheidender.

Denn was gelernt wurde, kann verstanden werden.

Und was verstanden ist, verliert seine Macht.

Die Frage, die du seit Jahren nicht stellen willst

Frag dich nicht, ob du dich genug liebst.

Frag dich: Wann hast du das letzte Mal deinem Bauchgefühl geglaubt, ohne vorher drei Leute zu fragen?

Wessen Stimme hörst du, wenn du dich für ein Gefühl entschuldigst?

Und wann hast du aufgehört, sie zu hinterfragen?


Dieser Artikel hat einen Faden gezogen: Du zweifelst nicht an deinem Wert. Du zweifelst an deiner Wahrnehmung.

Mein Buch „Ich liebe mich. Punkt.“ zieht ihn weiter.

Es redet dir nicht ein, wie wertvoll du bist.

Das bist du längst.

Es zeigt dir, warum du irgendwann angefangen hast, daran zu zweifeln – und wer dir das beigebracht hat.

Denn Verstehen verändert mehr als Selbstkritik.

Vielleicht fehlt dir tatsächlich keine Selbstliebe.

Vielleicht fehlt dir nur der Blick auf die Geschichte dahinter.

→ Ich will verstehen, warum ich mir selbst nicht mehr glaube


P.S.

Die Frau im Café – die mit den Bauchschmerzen – die gibt es wirklich. Hundertfach.

Sie fährt jeden Morgen los, spürt genau, was ihr Körper sagt, und nennt es dann Einbildung.

Frag dich heute nur eins: Wie oft hast du an dir gezweifelt, wo du eigentlich recht hattest?

Vielleicht fehlt dir keine Selbstliebe.

Vielleicht vermisst du einfach den Menschen, dem du früher blind geglaubt hast.

Dich selbst.

 

 

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